29.07.18 ASB-Landesverband Saarland e.V.

Einmal noch...die Heimat sehen

Der Wünschewagen am Bodensee - Ein Bericht unserer Wunscherfüller Achim und Yvonne:

Waltraud hat vor kurzem die Diagnose einer schweren Krebserkrankung erhalten. Sie hat bereits multiple Metastasen. Die Diagnose hat sie getroffen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
„Ich hab das Gefühl, ich befinde mich wie in einer Blase und wenn diese platzt, ist alles wieder so wie es vor der Diagnose war." Sie möchte die Zeit, die ihr noch bleibt, bewusst, selbstbestimmt und selbständig und zu Hause erleben, so lange wie es irgendwie geht. Waltraud ist Zeit Ihres Lebens eine Kämpfernatur, sie bietet der Erkrankung die Stirn und hat liebevolle und rührende Unterstützung von Karl, ihrem Freund und Lebensgefährten. Besonderen Halt gibt ihr auch Sally, die 13 jährige Labradorhündin, die auch schwer krank ist und ein besonderes Gespür für „Frauchen“ hat, wenn es ihr nicht gut geht.
Waltraud ist geboren und aufgewachsen am Bodensee und hat dort die schönste Zeit ihres Lebens verbracht. Es ist ihr Herzenswunsch, ihre Heimat noch einmal zu sehen.
Mechthild Bastian-Bayer vom ambulanten Hospiz und der Palliativberatungsdienst Saar-Pfalz, die Waltraud zu Hause betreuen und unterstützen, hat diesen Wunsch an das Wünschewagen-Team weitergegeben, er wurde letzte Woche dann in die Tat umgesetzt.
Zusammen mit Ihrem Lebensgefährten Karl, der ebenfalls am Bodensee geboren ist, Sally der treuen Hündin und den beiden Wunscherfüller Achim Huwer und Yvonne Jager, ging es dann am Mittwochmorgen los von St. Ingbert in Richtung Bodensee. Neben den beiden Wunscherfüller vom ASB begleitete Frank Hofmann von SR 3 diese Fahrt mit, der immer sehr einfühlsam und diskret an unserer aller Seite war und eine Radioreportage über den Einsatz vom Wünschewagen macht.
Die Fahrt führte über Frankreich, Schwarzwaldhochstraße nach Freudenstadt, der Ort, in dem Waltraud ihre Jugend verbracht und lange Jahre dort gewohnt sowie im Service des Kurhauses gearbeitet hat. Sehr schöne Erinnerungen an Freudenstadt verbindet sie mit dem Eiscafé und den damaligen Besitzern dieses Cafés direkt am Marktplatz. Das war dann auch das erste Ziel dieser Fahrt, und wir genossen alle, besonders Waltraud, das geliebte Joghurteis mit einer Kugel Erdbeere.
Den neuen Besitzer des Eiscafés begeisterte diese Fahrt und die Geschichte von Waltraud und der des Wünschewagens so sehr, dass er uns alle einlud. Dankbar über diese spontane liebe Geste ging es dann anschließend weiter in Richtung Bodensee, nach Überlingen. Die Anspannung bei Waltraud fiel und sie begann diese Fahrt zu genießen. Am späten Nachmittag erreichte der Wünschewagen das Hotel „Rotes Haus“. Nach dem Check-in und einer kurzen Ruhepause ging es runter zu einem Spaziergang an die Uferpromenade von Überlingen. Den Abend verbrachten wir draußen sitzend gemütlich beim Abendessen. Auch Sally, die treue Seele, immer mit dabei. Nach dem Frühstück ging es weiter bei herrlichem Wetter mit einer Schiffsrundfahrt über den Bodensee. In Überlingen hatte Waltraud sehr gerne immer ihre freie Zeit nach der Arbeit verbracht und oft ihre Füße in das kühle Wasser des Sees gestreckt.
Dank eines „Geheimtipps“, wo man gute badische Spezialitäten essen kann, wurde ein schönes, direkt am Ufer gelegenes Restaurant in Nußdorf aufgesucht, und wir konnten Waltraud, fünf Meter vom Ufer entfernt, draußen sitzend bei herrlichem Sonnenschein, einen weiteren Wunsch erfüllen, nochmal ein badisches Gericht essen zu können. „Ich werde von dieser Reise an Kraft gewinnen und immer daran denken, wenn ich mal einen schlechten Tag habe", sagte uns Waltraud.
Dann wurde es Zeit die Heimreise wieder anzutreten. Mit vielen Emotionen, den Eindrücken und dem Bewusstsein, das letzte Mal diesen Ort besucht zu haben, fuhr der Wünschewagen zurück in Richtung Saarland...Müde, aber glücklich und sehr dankbar, Waltraud diesen Herzenswunsch erfüllt haben zu können, kamen wir dann spätabends in St. Ingbert an.