Kinder- und Jugendhilfe – Schulsozialarbeit

„Gespräche sind das Wichtigste“

Die Tätigkeit der 24 Schulsozialarbeiter*innen des ASB an 36 Schulstandorten im Regionalverband Saarbrücken und der Wingertschule in Neunkirchen läuft trotz des Lockdowns stetig weiter. Im Tagesgeschäft steht Kommunikation mit Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften an erster Stelle. Auch sonst tun Andreas Herrmann und sein Team alles, um die Folgen der Pandemie aufzuarbeiten und Perspektiven zu schaffen.

Mal in Ruhe Akten sortieren. Ein paar Mails rausschicken … in Corona-Zeiten sind Schulsozialarbeiter*innen dazu verdammt, eine ruhige Kugel zu schieben. Könnte man meinen – und liegt damit völlig falsch. Weshalb Andreas Herrmann, pädagogischer Leiter des Fachbereichs „Kinder und Jugend“ beim ASB-Landesverband Saarland e.V., die Einstiegsfrage des telefonischen Interviews augenblicklich verneint: „Wenig los bei ihnen derzeit?“ „Das kann man so nicht sagen.“ Sowohl in den Grundschulen als auch in den Gemeinschaftsschulen nehmen bis zu 40 Prozent der Mädchen und Jungen an den schulischen Angeboten teil. Und in den Abschlussklassen besteht ohnehin Anwesenheitspflicht.

Die Tätigkeitsfelder der Schulsozialarbeit haben sich auch nach einem Jahr mit Covid 19 kaum verändert. „Sie sind größtenteils dieselben wie vor der Pandemie“, nur gestalten sie sich „ein Stück weit kreativer“. Es wird zwangsläufig mehr telefoniert und gemailt. Man nutzt Messenger Dienste, Videokonferenzen etablieren sich immer stärker und wenn Beratungsgespräche an der Schule nicht möglich sind, trifft man sich mit den Eltern einfach vor deren Haustür. „Dann finden die Termine auch mal im Freien statt“, natürlich mit Sicherheitsabstand. Die geltenden Hygieneauflagen permanent einzuhalten, ist mit einigem Mehraufwand verbunden. Flexibel bleiben, lautet die Devise. Einmal mehr, wenn es gilt, die Lehrkräfte im Unterricht und anderen schulischen Präsenzangeboten zu unterstützen.

Auch jetzt unter Corona-Bedingungen verzeichnen die sozialpädagogischen Mitarbeiter*innen an den Schulen einen großen Beratungsbedarf. Homeschooling, soziale Isolation, beengte räumliche Verhältnisse zuhause, die angespannte finanzielle Situation vieler Familien, Zukunftsängste – all das belasten derzeit die Kinder, die Jugendlichen und ihre Familien. Andreas Herrmann, selbst als Schulsozialarbeiter an der Gemeinschaftsschule Bellevue tätig, und seine Kollegen versuchen dort, wo ein kritischer Kontext bekannt ist, den Kontakt möglichst engmaschig aufrecht zu erhalten. „Wir sind wie immer erreichbar“, darauf lege man großen Wert. Rat- oder Hilfesuchende können sich jederzeit an Andreas Herrmann und sein Team wenden. 

Neben Beratung und Krisenintervention bilden präventive pädagogische Angebote die Basis der Schulsozialarbeit. Ausgerichtet sind alle Bemühungen auf das Ziel, die soziale und individuelle Entwicklung der Schüler*innen positiv zu beeinflussen – unter besonderer Berücksichtigung von Chancengleichheit, Mitbestimmung und Teilhabe. Wobei der Aktionsradius der Schulsozialarbeiter*innen deutlich weiterreicht als nur bis zum Pausenhof oder zu den Elternhäusern. „Zu unseren Kernaufgaben gehört es, ein Netzwerk zu Beratungsstellen und Akteuren im Lebensumfeld der Schulen aufzubauen und zu pflegen.“ In diesem Kontext wichtig zu wissen: „Was mir als Schulsozialarbeiter anvertraut wird, bleibt auch bei mir – wenn von den Schüler*innen und ihren Eltern gewünscht. Ohne Vertrauen funktioniert es nicht.“

Unterschiede bei den wahrzunehmenden Aufgaben zwischen den verschiedenen Schulformen seien marginal, auch, was die aktuelle Schulsozialarbeit betrifft. Eines der effektivsten Mittel, vorsorgend tätig zu sein, stellt sowohl im Grundschulbereich als auch an den weiterführenden Schulen der Klassenrat dar. Dabei handelt es sich um Zusammenkünfte im Wochenrhythmus im gesamten Klassenverband, bei denen alles auf den Tisch kommt, was die Mädchen und Jungen bewegt, nervt, freut oder ängstigt – während des Lockdowns natürlich virtuell.

Noch weit entfernt von Routine ist man bezüglich des Umgangs mit der hochinfektiösen Corona-Krankheit und den Folgen der Pandemie, so Andreas Herrmann. Um eventuelle Handlungsbedarfe aufzuspüren und zu charakterisieren, wurden an seinem Standort in Saarbrücken beispielsweise spezielle Fragebögen für Schüler*innen zu ihren Erlebnissen und Erfahrungen während des Lockdowns entwickelt und angewandt „Wir haben uns zusammen mit den Lehrkräften viel Zeit genommen, diese acht Wochen mit den Mädchen und Jungen in Gesprächen aufzuarbeiten“, erzählt der Erziehungswissenschaftler. Abgefragt wurde sowohl die persönliche als auch die schulische Situation. 

Für die Schulsozialarbeiter*innen des ASB ist 2020/2021 übrigens eine doppelt spannende Zeit. „Wir haben in diesem Schuljahr zehn neue Standorte hinzubekommen.“ Keine leichte Übung, unter den erschwerten Bedingungen Fuß zu fassen, Vertrauen und Strukturen aufzubauen, um effektive, wirksame Hilfe leisten zu können. Aber Sorgen bereitet Andreas Herrmann, der selbst seit 20 Jahren dabei ist und auf einen entsprechend prall gefüllten Erfahrungs-Rucksack zurückgreifen kann, letztlich doch etwas ganz Anderes: die Langzeitfolgen von Corona und des Lockdowns. Diese sind derzeit kaum absehbar. Klar ist nur eins: Die Schulsozialarbeiter*innen werden die Kinder und Jugendlichen mit ganzer Kraft unterstützen. Komme was wolle.

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