Mitarbeiterporträt

Profi in Sachen schnelle Hilfe

„Leben retten“ klingt immer ziemlich dramatisch. Aber tatsächlich tut Michael Dausend seit 35 Jahren (hauptamtliche Tätigkeit seit 1985, davor bereits seit 1978 ehrenamtlich) beim ASB nichts Anderes – erst mit Martinshorn und Notfallkoffer und seit 2014 mittels eines kleinen Gerätes zum Umhängen, dem sogenannten Hausnotruf.

Ohne Party „Danke“ sagen – Teil 3

 

Weil es im Jahr 2020 keine „Dankeschön-Party“ geben durfte, bedankt sich der ASB Landesverband bei den 2020-er Jubilaren mit einem Porträt. Nach Monika Habel und Marianne Klos steht Michael Dausend im Fokus. Mit seinem Team ist er aktuell für 2000 Hausnotruf-Anlagen im Saarland zuständig.   

 

„Ich hab es keine Sekunde bereut“, sagt Michael Dausend und bezieht sich damit auf den Wechsel zum Hausnotruf vor fast sieben Jahren. Bis dahin war er immer mit Leib und Seele Rettungsassistent gewesen. Aber alles im Leben hat seine Zeit. Dazu kommt, dass sich das Berufsbild der Frauen und Männer in den Rettungswagen im Laufe der Jahrzehnte erheblich verändert hat. 

 

Gelernt hat Michael Dausend ursprünglich „ganz was exotisches“: Textilmaschinenführer. Weil es sich damals einfach so ergab. „Es war aber auch relativ schnell klar, dass das nicht mein Leben sein kann“, geht der gebürtige Bübinger gedanklich 45 Jahre zurück. Aufgewachsen ist er in Kleinblittersdorf. Schon während der Berufsausbildung engagierte er sich ehrenamtlich beim ASB im Sanitätsdienst und fing dort eine Ausbildung an. Da war er 15. „Ich bin als dritter Mann im Rettungswagen mitgefahren“, anfangs sogar als Minderjähriger. Was damals tatsächlich noch möglich war. „Es hat Spaß gemacht, wir waren eine verschworene Gemeinschaft.“ Vorstellen darf man sich diesen Dienst längst nicht so stressig wie heute. „In der 30 Stunden-Schicht hatte man mit viel Glück vier Einsätze. Das war ganz entspannt.“ Inzwischen müssen die Kollegen in 12 Stunden bis zu acht Mal raus. Was auch an der gesunkenen Hemmschwelle der Anrufenden liegt: „Damals haben die Leute nur angerufen, wenn sie wirklich krank waren.“ Heute greift mancher schon bei einem harmlosen grippalen Infekt zum Hörer. 

 

Ausgelernt, schaffte Michael Dausend ein Jahr lang in der Burbacher Hütte. Mit 18 hatte er bereits seinen Führerschein, „ich bin dann 7,5 Tonnen-Lkws gefahren.“ Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit wechselte er hauptberuflich in den Rettungsdienst. „Zuvor war ich parallel in jeder freien Minute ehrenamtlich tätig – um anderen zu helfen. Ich weiß, das klingt pathetisch, aber das hat wirklich im Vordergrund gestanden.“ Für ihn als jungen Menschen war das „die Perspektive schlechthin: Verantwortung übernehmen für andere Menschen, ihnen in schwierigen Situationen zur Seite stehen.“

 

Für den 58-Jährigen ist der ASB längst „wie eine zweite Familie“. Bei den Samaritern hat er als Rettungsassistent den Wandel vom reinen Transportunternehmen zum professionellen medizinischen Notfall-Dienstleister mitgemacht: „Früher ging es „nur“ um den schnellen Transport in eine Klinik, heute ist man quasi als vorgezogene Intensivstation unterwegs und behandelt die Patienten schon vor Ort. Da gab es damals noch kein Bewusstsein dafür“, dass jede Minute zählt, gerade bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Mittlerweile ist das EKG selbstverständlich. Nicht umsonst gibt es heute das Berufsbild des „Notfallsanitäter“: „Dabei handelt es sich um ein neues Berufsbild mit größerer Regelkompetenz als das des Rettungsassistenten, den ich Anfang der 1980er noch gelernt habe.“ Damals wurde das medizinische Wissen einmal pro Woche in Gruppenstunden und Fortbildungen vermittelt. 

 

Was sich nie ändern wird, sind Dramatik und Leid, deren Zeuge man bei diesen Einsätzen zwangsläufig wird. „Es gibt schöne Momente und es gibt belastende Momente. Viele scheitern daran, die bewältigen das psychisch nicht“. Michael Dausend eigenes Rezept heißt: Ereignisse und Schicksale „nicht zu nah rankommen lassen“. Und „drüber reden ist ganz hilfreich“. Grundsätzlich gilt: „Man gibt sein Bestes, Punkt. Man muss aber auch akzeptieren, dass man nicht jeden retten kann. Der Tod gehört dazu. Das kriegt man in der Schule nicht erzählt.“

 

Mit seiner „neuen“ Aufgabe - dem Hausnotruf - identifiziert er sich ähnlich wie zuvor mit dem Rettungsdienst. 2014 stieg Michael Dausend mit einer Viertelstelle ein, die sich relativ schnell zu einer Teilzeit- schließlich zu einer Vollzeit-Stelle auswuchs. „Wir haben gut expandiert. Heute betreuen wir die fünffache Anzahl an Klienten.“ Seine Hilfsbereitschaft und Fürsorge kann er jetzt auf anderer Ebene einsetzen. „Wenn man zu den älteren Menschen kommt, erlebt man so eine große Dankbarkeit. Da besteht viel Redebedarf.“ Oft schlüpfen Michael Dausend und seine Kollegen in die Rolle des Diplomaten, der zwischen Familie und Angehörigen vermittelt. Die Erstberatung erfolgt größtenteils telefonisch. Darüber hinaus ist „Mr. Hausnotruf“ fürs Organisieren, Bestellen, die Lagerverwaltung und Terminvereinbarung zuständig. „Beschwerdemanagement macht den geringsten Teil aus. Wir bekommen eher positive Rückmeldungen.“ 

 

Den Kopf frei bekommt Michael Dausend auf dem Fahrrad – und daheim mit seiner Partnerin, mit der er zusammen Hühner hält, den zwei wollenen Rasenmähern (Schafen) und den 16 Bienenvölkern. Imkern sei für ihn ein „Heidenspaß“, auf Vereinsebene engagiert er sich bei den Saarbrücker Imker als Kassierer und bei den Ensdorfer Imkern als Vorsitzender. Ein weiteres Steckenpferd ist die Fotografie, wobei er am liebsten mit Gleichgesinnten der Naturfreunde Fotogruppe auf Motivsuche geht. Und, der Vollständigkeit halber: „Latenter“ Eisenbahn- und Dampflockfan ist er auch noch. „Mir wird nicht so schnell langweilig.“ 

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