Seniorenzentrum Limbach

„Wir hatten richtig Spaß miteinander“

Auch wenn Kritiker das gern anders darstellen: Der Pandemie-Alltag im Seniorenheim ist alles andre als trist. „Arm dran“ ist hier garantiert niemand, weiß Andreas Jene aus erster Hand. Er leitet die Einrichtung in Kirkel-Limbach und trägt Verantwortung für 73 Bewohner und 47 Mitarbeiter.

Was haben Eisbecher und Boutique-Besuche gemeinsam? Beides erwartet man nicht zwingend im Pflegeheim und dennoch – oder gerade deshalb -  gehören sie zur Strategie, mit der Heimleitung, Personal und Bewohnerrat gemeinsam gegen den Corona-Blues ankämpfen. „Quarantäne nett verpacken“, wenn man so will. Das Schönste dabei: Es funktioniert, wie ein Besuch in Limbach zeigt.  

Die schlechte Nachricht vorweg: Einen Besucher pro Bewohner an Weihnachten – mehr wird man in diesem Ausnahmejahr nicht zulassen können. Heimleiter Andreas Jene sieht das ganz pragmatisch. Der Schutz der 73 Senioren, die in Kirkel-Limbach in der Kirchenstraße 11 zuhause sind, geht ganz klar vor. Jene weiß, dass viele Angehörige damit zu kämpfen haben. Was vielleicht hilft: Zu wissen, die Eltern, Tante, Onkel, Großeltern oder Freunde sind in guten Händen. Und vor allem sind sie nicht allein oder arm dran – auch wenn das von einzelnen Politikern und in den Medien immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird. 

Andreas Jene ärgert das. Denn es stimmt schlicht und ergreifend nicht. „Einsam sind in Zeiten der Pandemie genau diejenige, die es vor Corona auch schon waren“, in der Regel alleinstehende Pflegebedürftige, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Vom mobilen Pflegedienst grundversorgt, verbringen sie unterm Strich oft 23 Stunden am Tag ohne menschliche Gesellschaft und vereinsamen völlig. „Das sind arme Menschen. Aber die waren vorher schon arm. So ehrlich muss man sein“, bekräftigt der Heimleiter. „Alle, die im ambulanten Bereich arbeiten, werden das bestätigen.“ Vor diesem Hintergrund stellt Jene auch infrage, ob es tatsächlich immer sinnvoll ist, so lange wie möglich zuhause wohnen zu bleiben. „Wenn erst ein gewisser Grad an Unselbstständigkeit und Hilfsbedürftigkeit eingetreten ist, werden die Betroffenen ganz schnell dement.“ Wer fast rund um die Uhr alleine ist, wem Ansprech- und Gesprächspartner fehlen, wer ohne Rhythmus von außen und feste Zeiten seinen Tag selbst strukturieren muss und jeder Tag dem vorhergehenden aufs Haar gleicht, ohne Abwechslung und geistige Anregung – der baut unweigerlich rapide ab.

Ganz anders stellt sich die Situation im Heimbetrieb dar. Selbst in Ausnahmesituationen wie während des Lock Downs, wo keinerlei Besuch gestattet war, kann hier eine hohe Lebensqualität erhalten werden. Wofür Andreas Jene sogar „Beweismaterial“ hat: Fotos vom Sommer nämlich, aufgenommen bei Freizeitaktivtäten in der Außenanlage des Seniorenzentrums Limbach während der strengen Quarantäne-Zeit. Abgeschnitten von der Außenwelt und entsprechenden Infektionsketten, konnte man im geschützten Rahmen des Heimes – „Party machen“, wie es Jene pointiert formuliert. Da wurden Cocktails serviert, Bowling-Turniere veranstaltet, Eis geschleckt: „Wir hatten richtig Spaß miteinander.“ Und nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt: „Es war der Bewohnerrat, der uns als Heimverwaltung gebeten hat: Kommt, lasst die Türen zu. Besser, als dass wir hier Corona haben‘“, was auch für die anderen ASB-Häuser gilt.

Inzwischen ist von der Leichtigkeit des Sommers nicht viel geblieben. Kälte, Dunkelheit und Mangel an Sonnenlicht drücken aufs Gemüt. Bei der Stippvisite in der Einrichtung ist von Winter-Depression trotzdem nichts spürbar. Es duftet nach Spritzgebäck, das gerade in mehreren Herden Bleche weise ausbäckt. Man unterhält sich in den gut besuchten Gemeinschaftsräumen. Für Abwechslung sorgt die ganz neu eröffnete Heim-„Boutique“, bestückt mit tadellosen Kleidungsstücken, Schmuck und Accessoires, die gespendet wurden oder übrig geblieben sind. „Wir haben sogar eine Modepuppe angeschafft, Vitrinen und Kleiderständer, alles was man halt so braucht“ – wenn man ein adäquates „Einkaufs“-Erlebnis inszenieren will. Eröffnet wurde das Lädchen feierlich. „Jetzt können sich die Leute hier einmal pro Woche umsehen und falls etwas gefällt, gern Sachen mitnehmen“, fast so, als würde man richtig shoppen gehen. Zumal stilecht Sekt und Kaffee angeboten wird. „Das ist das Event.“ 

Kleinigkeiten für den täglichen Bedarf, von der Tafel Schokolade bis hin zum Duschbad, bietet ein Tante Emma-Wagen an, der ebenfalls einmal wöchentlich durch alle Etagen fährt. „Man kann auch vorbestellen, wenn man etwas Spezielles wünscht.“ Dort werden schon mal frische Blumen angeboten oder irgendetwas anderes, besonderes. Ein bisschen Überraschung ist also auch dabei. „Wenn dann die Glocke bimmelt, kommen unsere Bewohner plötzlich aus allen Himmelsrichtungen angeschossen“, freut sich Jene. Und sogar noch eine dritte Möglichkeit besteht, etwas zu kaufen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Unter dem Motto „Bares für Rares“ wird regelmäßig eine kleine Vitrine im Eingangsbereich bestückt. „Wer ein kleines Geschenk sucht, nimmt das gern in Anspruch.“ 

Besuche von geliebten Menschen kann und soll das Alles natürlich nicht ersetzen. Darauf muss allerdings auch niemand ganz verzichten. Gäste werden im derzeit geschlossenen und eigens umgestalteten Bistro empfangen. „Im Wohnbereich ist das leider unmöglich, das können wir aufgrund der Hygiene-Auflagen nicht leisten.“ Ausnahmen bilden Fälle, wenn Bewohner bettlägerig oder im Sterben begriffen sind. Für alle anderen, mobilen Damen und Herren geht es runter ins Erdgeschoss. „Ein bisschen wie im Flughafen“ mutet das Szenario an, meint Jene. Drei „Kabinen“ hat man provisorisch abgetrennt. So können, maximal, drei Besuchskontakte parallel stattfinden, jeweils eine Stunde lang. „Vorher und hinterher werden alle Plätze desinfiziert. Wie haben eigens zwei Pförtner eingestellt, die darauf achten und notfalls daran erinnern, dass Maskenpflicht herrscht, die desinfizieren und aufpassen, dass Sicherheitsabstände gewahrt werden.“ Was sich sehr technisch anhört, aber gut funktioniert. Dass eine Stunde nicht die Welt und oft als viel zu wenig empfunden wird, weiß der Heimleiter. Ein kleiner Trost: „Die Qualität der Besuche hat in meinen Augen gewonnen.“ Statt nach der Arbeit kurz vorbei zu hechten und in Gedanken schon beim Abendbrot daheim zu sein, nehmen sich die Angehörigen jetzt ganz bewusst die Zeit. „Quantitativ ist es weniger geworden, aber dafür oft eine intensiver erlebte Zeit miteinander.“  

Das A & O ist und bleibt aber die Qualität der Betreuung. Hier setzen alle drei ASB-Seniorenzentren im Saarland auf die „Kongruente Beziehungspflege“. In deren Mittelpunkt steht die vertrauensvolle und harmonische Beziehung der Pflegekräfte zum Heimbewohner – vom ersten Tag an. Was sie oder er wünscht, braucht und biographisch mitbringt, bildet bei allen pflegerischen und therapeutischen Maßnahmen den Maßstab. „Für uns ist es selbstverständlich, freundlich und wertschätzend miteinander umzugehen - nicht erst seit Corona.“ Doch gerade jetzt profitieren Mitarbeiter und Bewohner davon. Füreinander da sein, muss man in Limbach nicht erst lernen. 

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