Fasching in den ASB Seniorenzentren

„Wun-der-schön, trotz Corona-Maske. Man konnte so richtig Jeck sin.“

Grad selääds: Während landauf, landab sämtliche Kappensitzungen und Umzüge pandemiebedingt abgesagt werden mussten, wird in den ASB-Seniorenzentren Kirkel-Limbach und Homburg-Erbach zünftig Faasend gefeiert. Hygieneplan konform, versteht sich.

Donnerstagabend, kurz nach 18 Uhr. „Stell dir vor, wir haben getanzt“, erzählt eine über 80-jährige Seniorin ihrer Tochter am Telefon. Diese scheint genauso überrascht zu sein wie ihre Mutter, die sich heute richtig jung anhört durch die Leitung. Das Erlebnis vom Fetten Donnerstag wird bestimmt noch eine Weile nachklingen, selbst wenn Konfetti und Luftschlangen längst aus den Fluren des Seniorenzentrums Limbach verschwunden sind. 

Aktuell begrüßen knallbunte Papier- Pompons und glitzernde Girlanden die Besucher im Eingangsbereich. Die phantasievolle Deko versüßt jedem Gast die Warterei auf das Ergebnis des obligatorischen Schnelltests. Der bisher – schnell dreimal auf Holz klopfen - noch nie positiv ausgefallen ist, verrät der junge Mitarbeiter, routiniert mit den Teststäbchen hantierend. Im ersten Stock hält Margit Elbert vom Sozialteam gerade ein Schwätzchen mit einer Bewohnerin: „Eins ist klar, nächstes Jahr brauchen wir keinen Maskenball“, meint sie augenzwinkernd. „Wir haben dieses Jahr genug Maske gehabt.“ Die alte Dame nickt und lächelt zurück. Wenn man Covid 19 schon nicht so schnell los wird, will man wenigstens darüber lachen können. Und gelacht wird gerade besonders oft in den Heimen des ASB. Nein, den Karnevalsspaß lässt man sich hier ganz gewiss nicht vermiesen. 

Der größte Aktivposten war die Feier an Weiberfastnacht. Darauf eingestimmt hatte Margit Elbert die Teilnehmer ihres wöchentlichen Gedächtnistrainings schon Wochen vorher. „Wir sprachen darüber und ich hab gefragt, was für sie zu Faasend dazu gehört.“ Es wurden Begriffe gesammelt und von früher geschwärmt. Schnell hieß es: „Man könnte doch mal …, wäre es nicht schön, wenn …“. Klar, machen wir, versicherte Margit Elbert. Peu á peu stieg die Spannung, bis es manche/r kaum noch erwarten konnte: „Dann hieß es immer öfter: Wann geht’s endlich los?“ 

Regulär wird Fasching ja in der Cafeteria gefeiert. So will es die Tradition. Diesmal ging das nicht, weshalb man expandierte: Statt einer zentralen Feier veranstaltete man eben drei, in jedem Stockwerk eine. „Es war wunderschön, trotz Maske“, schwärmt Margit Elbert anderntags. Sie ist zwar schon zwei Jahre in Rente, hält ihren Leuten und der Einrichtung als Mitarbeiterin der ersten Stunde aber per Minijob weiter die Treue. Mit ihrem „Dienstags-Wägelchen“, einem Tante Emma Laden auf Rädern, zog sie am Fetten Donnerstag durch die Wohnbereiche und gab dabei eine kleine Büttenrede zum Besten: „… Plätzja, Schampong oder Deo Sprayy, inn meinem Läädsche hann ich alles debey. Schoggelad, obb Vollmilch, Halbbitter oder Nuss, ess änzisch Problem iss, dass ma sich entscheide muss …“. 

Gemeinsam wurde geschunkelt und gesungen, „ein bisschen schräg“, aber egal. „Alle haben begeistert mitgemacht.“ Ob es denn was „Besonderes“ gebe, kulinarisch, hatten die Bewohner im Vorfeld wissen wollen. Aber natürlich! Das Team kredenzte Faschingsbowle mit buntem Obst, auf Wunsch mit oder ohne Umdrehungen. Plus Faasekiechelche. Rosenmontags-Gudsjer und -Schokolade lieferte Margit Elbert direkt vom Emma-Wägelchen „frei Haus“: „Haben die gestrahlt.“ Vorbereitet hatte sie außerdem einen Sketch: Um seine Aufregung in den Griff zu kriegen, trinkt sich der neue Pfarrer bei seiner Antrittsrede – verordnet vom Apotheker – hochprozentig Mut an. Was zu einer wirren Predigt mit etlichen Verwechslungen führte, die die bibelsicheren Zuhörer nur zu gern korrigierten. 

Für großes Hallo sorgte schließlich eine Tanzvorführung – anstelle der Gardetänze, für die der örtliche Karnevalsverein sonst stets seine Garden vorbei schickt. Zunächst verhüllt, zog das kleine Mitarbeiter-Ensemble ein und ließ zu Joe Cockers „You can leave your hate on“ die Laken fallen. Darunter kamen Nachthemden zum Vorschein, kombiniert mit Puschen, Wärmflaschen und Teddybären im Arm. Mitten drin Heimleiter Andreas Jene, der sich für keinen Spaß zu schade ist. „Sie kenne ich“, überlegte eine Bewohnerin, wer da unter der Verkleidung steckt. „Sie sind aber keine Frau!“ Zu den Klängen des derzeit populären Hits „Jerusalema“ von Master KG legte die Nachthemd-Gruppe eine kesse Sohle aufs Parkett. Anschließend durfte tanzen, wer wollte. Bei manchen brauchte es einen kleinen Anstupser oder etwas Unterstützung, aber dann steppte der Bär und so manche betagte Tänzerin kam richtig auf den Geschmack. „Selbst Rollstuhlfahrer machen da gern mit, und wenn sie sich einfach nur im Takt wiegen.“ 

Sogar im Wohnbereich für die an Demenz erkrankten Bewohner ging die Post ab: „Viele waren richtig losgelöst, die haben so toll mitgemacht“, schwärmt Margit Elbert. „So eine Lebensfreude und Lebenslust, das war richtig toll. Da schwappt mir auch das Herz über.“ Dass sie abends geschlaucht war, nahm sie in dem Fall gern in Kauf. „Auch die Kolleginnen und Kollegen waren stehend k.o.“ So eine Feier zusätzlich zu den normalen Routinen auf die Beine zu stellen funktioniert nur, „wenn alle mit Herz und Seele und Freude dabei sind“. Klar war der Aufwand groß. Aber es hat sich gelohnt: „Man konnte mal so richtig Jeck sin. Ich glaube, das haben alle sehr genossen.“ So sei von vielen Seiten zu hören gewesen: „Schade, dass Fasching nur einmal im Jahr ist.“

Ähnlich fielen die Reaktionen im Seniorenheim St. Andreas in Homburg-Erbach aus. Auch dort wurde am „schmutzigen“ Donnerstag statt wie sonst mit allen zusammen im Kontakt-Cafe pandemiebedingt drei Mal separat gefeiert - in der Kurzzeitpflege und in den Wohnbereichen. „Die Bewohner im Erdgeschoss hatten sich Pommes gewünscht“, erzählt Claudia Kiefer von der Pflegedienstleitung. Dieser Wunsch ging in Erfüllung - auf allen Etagen. Vormittags wurden die Damen und Herren chic gemacht mit Masken oder einer passenden Frisur – „damit sie einen rundum schönen Tag haben“. Bereitwillig hatten die Bewohner im Vorfeld beim Schmücken mitgeholfen. Gemeinsam überlegte man sich zudem Redewendungen und Sprichwörter, die zum Karneval passen. 

Die Feier selbst, gekrönt von einer Polonaise, haben alle sehr genossen – das Personal genauso wie die Heimbewohner bzw. die Gäste der Kurzzeitpflege. „Derzeit passiert ganz viel“, ergänzt Claudia Kiefer. „Mitarbeiter und Bewohner wachsen enger zusammen“, soziale Betreuung und Pflege verzahnen sich intensiver. „Da wird genau geschaut, wie es den Senioren geht, wie sich jeder fühlt und wie man sie aufheitern kann.“ Generell sei der Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit „noch stärker geworden“. Was Faasend 2021 einmal mehr zu etwas ganz besonderem macht.

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